Herzlich Willkommen 
MGV Sängervereinigung Liederkranz 1899 Reihen e.V.

Vereinsgeschichte (noch in Bearbeitung)

Hundert Jahre offizielles Bestehen unseres Männerchores, fast identisch mit unserem so ereignisreichen, schicksalsschweren und leidgeprüften Jahrhundert voller tiefgreifender Veränderungen auf beinahe allen Gebieten, wie z.B. auch in der Technik, in den Medien und aller Formen der Unterhaltung, in der Berufswelt und im Familienleben - ein solches Jubiläum ist wahrhaftig ein Grund, zu feiern.
Der Männergesangverein „Sängervereinigung Liederkranz 1899 Reihen e.V.“ begeht dieses Jubiläumsfest am 18. bis 21. Juni 1999. Der Veranstaltungsreigen begann jedoch bereits mit einem ökumenischen Festgottesdienst des Chores in der ev. Kirche mit anschließender Totenehrung auf dem Friedhof am 7. Februar, wobei an den Gräbern der verstorbenen Ehrenvorstände Ernst Geiser, Martin Huber und Ehrenchorleiter Otto Keitel ein Blumengebinde niedergelegt wurde. Unser Chor war dann am 15. Februar Veranstalter des beliebten Rosenmontagsballs in der Festhalle  und des darauffolgenden Kinderfaschings. Am 17. April fand in der Festhalle gemeinsam mit dem Heidelberger Kantatenorchester und unserem Chor ein Festkonzert unter der Leitung unseres Dirigenten Reinhold Bier statt.
Das Festbankett am 5. Juni wird ein weiterer Höhepunkt sein vor dem eigentlichen „Sängerfest“, zu dem wir etwa 80 Chöre von nah und fern erwarten zum Freundschafts-, Prädikats- und Volksliederwertungssingen. Ein bunter Abend mit Künstlern, u. a. dem humoristischen Männerquartett „Männer ohne Nerven“ und ein „Sängerwettstreit“ der örtlichen Vereine werden die Festtage abrunden.
Beim Betrachten des Alters unseres Geburtstagskindes fällt zunächst auf, daß unser Chor im Vergleich zu vielen Vereinen in unserer
Nachbarschaft, die oft schon ihr 150jähriges Bestehen feiern konnten, noch relativ jung ist. Bedenkt man nun die starke sängerische und
musikalische Tradition in unserem Dorf, so wundert man sich, daß hier nicht schon zeitlich früher ein solcher Männerchor bestanden haben soll. Nun, wie in anderen Gemeinden hat sich auch in Reihen schon vor der Revolution von 1848/49 der Männergesang als Form der Geselligkeit, aber auch wohl der politischen Betätigung nach der Enttäuschung des Wiener Kongresses 1815 und der politischen Reaktion nach der Französischen Revolution entwickelt. Aus schriftlichen Quellen besitzen wir heute klare Aussagen über gesangliche Aktivitäten und gar der Existenz eines „Singvereines“ bereits in der Zeit der „Vormärz“, also vor der 48er Revolution. Aus der Niederschrift des damaligen Ortspfarrers Schück erfahren wir anläßlich der Einweihungsfeierlichkeiten der neuen evangelischen Kirche am 5. November 1843 folgendes:
„Es wurde ein Zug vom Rathause in die Kirche veranstaltet. Voran ging die Schuljugend mit den Lehrern, dem Hauptlehrer Wilhelm Weigert und dem Hilfslehrer Wilhelm Weigert - Sohn des Hauptlehrers - dann folgte der Singverein der gegenwärtig, außer der Schuljugend aus folgenden erwachsenen Mitgliedern besteht: Ludwig Ziegler, Georg Rudi, Heinrich Rudi, Johannes Friedenauer, Johannes Brenneisen, Jakob Wolffarth, Jonas Geiser, Adam Grittmann, Glasbrenner (aus Steinsfurth Dienstknecht dahier), Jonas Brenneisen, Georg Brenneisen, Jakob Grittmann, Jonas Lang, Georg Dörr, Christian Brenneisen, Johannes Geiser. Bei dieser Feier wurde von obigem Singverein „vierstimmig“ das Lied „Jehova“ zum Vortrag gebracht.“
(Auszug aus dem überlieferten Bericht)
Über das weitere Schicksal dieses Chores haben wir keine weiteren
Belege, jedoch berichtet die Zeitung „Der Landbote“ in einer Ausgabe vom Januar 1874 von der Gründung eines Gesangvereins mit 36 aktiven Mitgliedern im Vorjahr, also 1873, im dritten Jahr der Reichsgründung unter Bismarck. Dieser Verein tritt bereits am 26. Oktober 1873 bei der Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Steinsberg zu Weiler gemeinsam mit den Gesangvereinen Weiler und Sinsheim auf.
Wohl war es dieser Verein, der unter dem 27. Januar 1894 wiederum im „Landboten“ erwähnt wird. Wir zitieren: „Wie alljährlich, wurde auch in diesem Jahre am Geburtstagsfeste Sr. Maj. des deutschen Kaisers ein Militärvereinsball abgehalten. In den Pausen kamen gediegene, gut durchgeführte Lieder unter der Leitung unseres unermüdlichen, tüchtigen Dirigenten Herrn Hauptlehrer Link zum Vortrage . . . “
Aus diesem Chor wohl, weiterhin unter der Stabführung des besagten Hauptlehrers Link, entstand dann am 7. Februar 1899 der Entschluß zur Gründung eines Gesangvereins, dem bei der ersten Generalversammlung am 10. Februar 1899 der Name „Liederkranz“ gegeben wurde.
Das „Großherzogliche Bezirksamt Sinsheim“ bestätigt mit einem
offiziellen Schreiben vom 27. März 1899 die Gründung des Gesangvereins Liederkranz. Woher nun rührt der Name „Sängervereinigung Liederkranz“? Darüber werden wir zu gegebenem Zeitpunkt weiter unten berichten. Der neue Chor hatte 32 Mitglieder, darunter 28, die als „Gründer“  bezeichnet werden, und die erste Vorstandschaft bestand aus den Sängern August Herrmann, Heinrich Maag, Wilhelm Heiß und Peter Bender, den Ausschußmitgliedern Franz Hummel, Heinrich Grittmann, Karl Hauer und Jakob Dörner jr.
Da die Eintragungen im „Kontrollbuch für den Liederkranz Reihen“ für unsere Chronik sehr wenig wiedergeben, folgen wir ab jetzt in weiten Teilen den Angaben aus der Chronik von Rektor Wilhelm Bender im Festbuch zum 60jährigen Jubiläum 1959. Am 23. Juni 1901 hielt der Verein unter großer Beteiligung der Gemeinde und zahlreicher Brudervereine von auswärts seine erste Fahnenweihe ab. Der erste Mißton in die Harmonie des Vereins fiel im Jahre 1906. Damals spaltete sich unter Führung des Dirigenten, Hauptlehrer L. Link, ein Teil des Chores ab und konstituierte sich als Gesangverein „Liedertafel“. Von nun an bis ins Jahr 1933 spielte sich  die Geschichte des Männergesangs in Reihen in zwei konkurrierenden Chören ab. Der ehemalige Dirigent Link verliert am 16. Januar 1906 die Ehrenmitgliedschaft des Liederkranzes „betreffs Zuwiderhandlung zu §20 der Vereinsstatuten“. Damit beginnt eine Entwicklung, die auf Jahrzehnte hinaus das Leben im Dorf und in der Schule prägte, um nicht zu sagen vergiftete, und die Einteilung in „Liederkränzler“ und „Liedertäfler“ ließ den Liedtext: „Durch’s Lied sind wir Brüder geworden“ allenfalls zur zynischen Phrase werden. Diese kritische Anmerkung sei hier wohl der historischen Wahrheit halber dem Chronisten erlaubt.
Über die Geschichte des „Liedertafel“ ist es zu unserem Bedauern sehr schwer, genaueres zu berichten, da praktisch keine Unterlagen zur
Verfügung stehen, und so muß der Bericht schwerpunktmäßig der
Geschichte des „Liederkranz“ folgen. Die „Liedertafel“ singt bis 1923 unter dem bereits genannten Dirigenten Link, danach oft wechselnd unter den Herren, meist Lehrern, Uhle, Heidt, Kessel und Schilling, bis sie 1933 freiwillig durch Beschluß der Generalversammlung im „Liederkranz“ aufgeht. Daher rührt auch der Name Sängervereinigung Liederkranz. Der Liederkranz engagiert 1906 den Pflästerermeister Robert Meny aus Richen, ein glühender Idealist der Musik, der Gestaltung des chorischen Männergesangs leidenschaftlich zugetan. Im Preiswettgesang in den Jahren 1910, 1922 in Elsenz und Waldangelloch hat der Verein unter seiner Leitung mit vorzüglichen Leistungen erste Preise nach Hause gebracht; 1914 sogar in Zuzenhausen eine Ia Preis mit Ehrenpreis. Während des 1. Weltkrieges waren Dirigent und Sänger zum Heere eingezogen. Schwer waren die Opfer, die dieser Krieg von den Sängern an Blutzoll forderte: 13 Sänger waren gefallen oder verstorben. Dirigent Robert Meny war aus dem Krieg zurückgekehrt und hatte die musikalische Leitung des Vereins wieder aufgenommen. 1921 trat der Liederkranz dem Elsenz-Sängerbund als Mitglied bei. Wiederum in einem Juni, vom 14. - 16. Juni 1924 feierte der Verein sein „silbernes“ Jubiläum, das Stiftungsfest zu seinem 25jährigen Bestehen, verbunden mit einem Punktsingen der gastierenden Sängerschaften. 10 Brudervereine der benachbarten Gemeinden beteiligten sich an diesem „Wettkampf“. Die Beurteilung der Leistungen hatten dabei Musikinspektor Autenrieth und Musikuniversitätslehrer Dr. Walter Leib aus Heidelberg übernommen. Der Liederkranz hatte damals 6 Ehrenmitglieder, 47 Aktive und 71 Passive, also insgesamt 124 Mitglieder. Den Gründern wurde ehrenweise zum Gedächtnis an das „Silberne Jubiläum“ in der Generalversammlung vom Januar 1925 ein „Jubiläumsabzeichen“ überreicht. Ein Jahr später wurden sie zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Im Jahre 1929 schien den Sängern ein Dirigentenwechsel notwendig, und Robert Meny legte sein Amt als Chorleiter in die Hände des
Vereins zurück. Dank und Wertschätzung der Sänger für die von ihm gemeisterten Aufgaben drückten sich in dem ihm beim Abschied
verliehenen Prädikat des „Ehrendirigenten“ aus. Dieses Jahr 1929 brachte für den Verein einen allgemeinen Wechsel in der Führung. Zwei Männer, die noch lange das Vereinsgeschehen mitbestimmten, treten in die Verantwortung: Ernst Geiser, als erster Vorsitzender, später Ehrenvorsitzender des Vereins und Malermeister Oskar Körber als Schriftführer. Diese neue Vorstandschaft ernennt aus dem Kreise der Sänger den Reihener Schreiner Otto Keitel zum neuen Dirigenten; er sollte über 40 Jahre hindurch mit großem Erfolg die musikalischen Geschicke des Chores leiten - bis kurz vor seinem tragischen Unfalltod.
Noch vor 1933 hatte Otto Keitel große Erfolge mit seinem Chor bei einem Chor-Konzert 1931 unter Mitwirkung eines aus Chormitgliedern gebildeten Streichquartetts und der weiteren Mitwirkung des begabten Chormeisters und Komponisten A. Behle aus Karlsruhe. Herr Behle vermochte dem Verein aus seiner Innerlichkeit wie auch seinen reichen Erfahrungen auf dem Gebiet des Chorwesens bedeutsame Impulse zum Fortschritt zu geben. Im Jahre darauf errang der Dirigent mit seiner wohldisziplinierten Sängerschar in Mingolsheim und Neckargemünd gegen eine starke Konkurrenz jeweils einen Ia Preis mit Ehrenpreis.
1933 beschließen beide örtlichen Männerchöre freiwillig in getrennten Generalversammlungen den Zusammenschluß.
Wir zitieren den Vermerk im „Kontrollbuch“: „Der Gesangverein Liedertafel ist mit seinem ganzen Vereinsvermögen und mit seiner ganzen Mitgliedschaft übergetreten, und der Gesangverein Liederkranz heißt in Zukunft: Männergesangverein Sängervereinigung Liederkranz. Reihen, 24. Juni 1933. gez. der Vorstand Ernst Geiser, Schriftführer Oskar Körber, Malermeister.“ Der Schriftführer Körber vermerkt hierzu in einem Eintrag vom 27. Juni 1933: „Nun ging es vorwärts und aufwärts mit vereinten Kräften. Unter der bewährten Leitung unseres Dirigenten Otto Keitel konnte sich der neue Verein schnell entfalten, und heute ist es jedem einzelnen zur Gewißheit geworden, daß die Vereinigung beider Vereine kein Fehlgriff war. Mögen sich kommende Generationen ein Beispiel nehmen und nie wieder in den alten Fehler verfallen. Wir haben es selbst erlebt. Zwietracht schwächt, aber Einigkeit macht stark.“ Auch symbolisch wurde die Vereinigung nachvollzogen, als man 1936 mit einem Sängerfest die Fahnenweihe der neuen Vereinsfahne vollzog: die Fahne der ehemaligen Liedertafel wurde umgestickt auf den Namen „Sängervereinigung Liederkranz“.
Wiederum unterbrach der noch unglückseligere 2. Weltkrieg die Tätigkeit des Vereins, bzw. beeinträchtigte er sie sehr. Auch er hat dem Verein schwere Wunden geschlagen. 13 Gefallene, 13 Vermißte und zwei infolge Krankheit aus der unmittelbaren Wirkung des Krieges Verstorbene stehen auf seiner Verlustliste.
„Auf Veranlassung des Vereinsmitglieds und Sängers Martin Huber jg., und mit Genehmigung der Militärregierung, hielt der Verein heute seine erste Nachkriegsversammlung ab . . . (1. März 1946)“ so vermerkt das „Kontrollbuch den Neuanfang, der durch den Einsatz und die un-
ermüdliche Tatkraft des neuen 1. Vorsitzenden Martin Huber, ihm sei an dieser Stelle auch nochmals gedankt, ein so erfolgreicher Neuanfang werden sollte. Am 29. Mai 1949 feierte der Chor sein „goldenes“ Jubiläum. 17 auswärtige Vereine mit insgesamt etwa 800 Sängern nahmen an dem damit verbundenen Freundschaftssingen teil. Das Fest velief würdig und eindrucksvoll - und nicht zuletzt finanziell erfolgreich (1949!!!).
Der Chor war an Zahl der Mitglieder gewachsen und reckte sich
zu neuen Zielen auf. Große Würfe erfolgten 1950 in Elsenz und Gemmingen, 1951 in Malsch, 1952 in Michelfeld und Richen, 1953 in
Eppingen. Zumeist „sehr gut“, „sehr gut - hervorragend“ und „hervorragend“ lauteten hier die Urteile der Berufenen über das Dargebotene. Da hörte man Lieder wie: A. Kirchels „Mägdelein so schön und hold“, V. Lachners „Hymne an die Musik“, Max. Bruchs „Frühling am Rhein“, Köllners „Waldmorgen“, R. Bucks „Rosabella - Fidolin“. In Eppingen kämpften Otto Keitels wackere Sänger um die Palme des Erfolgs gegen 21 Vereine mit den Liedern „Kuckuck und Schäferin“ von Moldenauer und „Morgenlied“ von Julius Rietz. Mit 84 Punkten errangen sie die
Tagesbestleistung; der Verein hatte seine Gipfelhöhe erreicht.
Mit einem Sängerfest mit Fahnenweihe, Freundschafts-, Wertungs- und Kritiksingen und der Herausgabe eines Festbuches beging der
Verein am 20. - 22. Juni 1959 sein 60jähriges Jubiläum. 30 Chöre aus nah und fern waren der Einladung gefolgt und bekundeten damit ihre Verbundenheit mit dem Liederkranz Reihen. 1962 übergab Martin Huber nach 16jähriger vorbildlicher Vereinsführung sein Amt einem jungen Sänger. Mit der Wahl von Gerhard Fleck zum ersten Vorsitzenden, das kann man heute schon ungeschmälert feststellen, hatte der Verein einen ausgesprochen guten Griff getan. Mit neuer Energie und junger Tatkraft hat er den Chor in die Hand genommen und im Laufe der Jahre stark an der Zuführung gerade junger Sänger gearbeitet. In heutiger Zeit ist es schwerer geworden, einen Männerchor zusammenzuhalten und gleichzeitig auch so zu verjüngen, daß die Leistungen immer wieder auf einem hohen Niveau bleiben; dies verlangt von den Verantwortlichen immer neue Tatkraft und Ideen. Gerhard Fleck war der Mann, dem diese Fähigkeiten zur Verfügung standen.
Das Jahr 1969 ist wiederum eine Wendemarke in der Geschichte des Vereins. Kaum hatte Otto Keitel den Dirigentenstab in die Hände eines seiner Söhne übergeben, stirbt er an den Folgen eines Verkehrsunfalles. Der Schreinermeister Herbert Keitel führte nun seit 1969 den Chor als sein musikalischer Leiter und, denken wir an unser Abschneiden
bei Sängerwettstreiten bei Brudervereinen oder an die wiederholten Frühjahrskonzerte des Chores in Reihen in den vergangenen Jahren, mit viel Erfolg. Der Chor kann sich glücklich preisen, immer wieder aus den eigenen Reihen gute Kräfte für die wichtigen Positionen zu finden, Männer, die ihrer Verantwortung voll bewußt fest in der Tradition des Männerchorgesanges stehen und neuen Formen und neuem Liedgut offen gegenüberstehen und es in musikalische Wirklichkeit umzusetzen verstehen. Darin allein wird sich in der Zukunft entscheiden, ob auch noch in einer sich verändernden Welt die Idee des Laienchorgesanges, so wie er sich in unseren Dörfern in den Männerchören herausgebildet hat, Bestand haben wird.
Das fünfundsiebzigste Geburtstagsfest des Vereins im Jahre 1974, in dessen Festbuch diese Bemerkungen gemacht worden sind, hat die Besorgnis für die Zukunft sehr hoffnungsvoll beseitigt. Mit einer hervorragenden Führungsgruppe unter Gerhard Flecks Vorsitz und seinem Stellvertreter Walter Huber - und deren Ehefrauen Hannelore und Else (auch das sollte einmal dankbar hervorgehoben werden) sowie unter Herbert Keitels erfolgreicher Stabführung im musikalischen Bereich trat der Verein mit 63 Sängern und 200 Passiven ins letzte Jahr-
hundertviertel seiner Geschichte ein. Dieses Jubiläum war - in der Rückschau - einfach ein gelungenes großes Fest mit vielen sänge-
rischen Höhepunkten durch die Anwesenheit von sehr erfolgreichen Chören aus dem Bruhrhein, der Bergstraße und der Rheinebene etc.
49 Vereine folgten unserer Einladung und kamen mit etwas 2100
Sängern zum Freundschaftssingen und Prädikatssingen und, zum ersten Mal wieder im Elsenzsängergau, zum Punktwertungssingen. Die Entscheidung hierfür war damals nicht unumstritten - unser Vorstand setzte sich letztlich durch - und wegen Unmuts darüber blieb der damalige Ehrengauvorsitzende Reinhold Stoll unserem Sängerfeste fern. Mittlerweile sind auch beim Elsenzsängergau Punktwertungssingen zum Normalfall geworden. Auch finanziell war das Fest ein Erfolg mit runden 20.000,- DM Reingewinn bei etwa 100.000,- DM Gesamtumsatz. Der Vereinsvorsitzende hätte also nicht sein Privatvermögen  antasten müssen zur Deckung des Defizits, zumal der „Liederkranz“ - vor allem aus diesem Grunde - seit dem 19. Juni 1974 als „eingetragener Verein“ besteht. Auch in Technik und Logistik setzte dieses Fest für unseren Raum neue Maßstäbe. Ein gewaltiges Festzelt für über 2000 Personen mit sehr funktionalen Bewirtungseinrichtungen auf dem neuen, noch warmen, weil frisch asphaltierten Parkplatz am Sportplatz (Zitat vom Schirmherrn OB Helmut Gmelin, Sinsheim: „Hier sieht man, daß die Erde eine Kugel ist!“) war errichtet worden. Die gerade stattfindenden Fußballweltmeisterschaften konnten über Fernsehanlagen im Zelt mitverfolgt werden. Neben dem Festzelt standen für die verschiedenen Veranstaltungen auch noch das SV-Clubhaus und die neue Maschinenhalle von Wilhelm Karrer zur Verfügung. Hier konnte am Sonntagvormittag zeitgleich mit dem Punktwertungssingen im Festzelt das Prädikatssingen durchgeführt werden. Preisrichter war hier Robert
Edler aus Heilbronn und der „Gesangverein Liederkranz 1862“ Epfenbach unter Heinz Funk erbrachte die Bestleistung und für ihn den
Dirigentenpreis.
Das Punktwertungssingen mit den beiden Preisrichtern Prof. Erich Hübner, Heidelberg und Prof. August Langenbeck, Stuttgart endete mit einer kleinen Schlägerei mit einem etwas erhitzten Chor von der Berg-
straße („Böse Menschen haben keine Lieder . . .?!) und sah dann als musikalischen Tagessieger den „Singverein 1870“ Laudenbach unter Gerhard Wind (der allein mit drei Chören da war!).
Es sei zum Schluß noch zu vermerken, daß dem eigentlichen „Sängerfest“ vom 21. - 24. Juni 1974 ein schönes „Geistliches Konzert“ in der ev. Kirche am 12. Mai und das „Festbankett“ am 25. Mai vorausge-
gangen waren. Das Jubiläumsfest war Bestandsaufnahme aber auch zugleich Verpflichtung für die Zukunft. In ihr, bis heute, sollte der Chor zeigen, daß er in unserem Dorf der bedeutendste Kulturträger bei fast allen Veranstaltungen ist. Der Chor, der seit einigen Jahren auch Frauen als passive Mitglieder führt (z. Zt. 28) ist u.a. kaum wegzudenken
bei örtlichen Beerdigungen, bei denen er ausnahmslos noch zu allen Gelegenheiten und Zeitpunkten mit einem sehr guten Grabgesang
mitgestaltet. Dies zu vermerken scheint dem Chronisten wichtig, da es heute für viele Chöre immer schwerer wird, diesen Dienst zu erfüllen.  Unser Chor kann auch noch mit sehr geringer Sängerzahl - oft nur
14 bis 18 Männern - guten Grabgesang bieten. Vielleicht darf man
etwas unbescheiden feststellen, daß unser Chor im Elsenzsängergau in der Nachkriegszeit wohl der beständigste Leistungsträger im Männerchorgesang ist. Letzteres zeigte sich immer wieder auch in den letzten Jahren in Tagesbestleistungen und Dirigentenpreisen im Gaubereich (Weiler 1987, Sinsheim 1994, Gemmingen 1997 etc.) aber auch in oft hervorragendem Abschneiden bei Sängerwettstreiten in den Männerchorhochburgen an der Bergstraße, Odenwald, Bruhrhein und in der Rheinebene (oft Klassensieger und kleine Tagesbestleistung und Dirigentenpreise). Die Einzelheiten würden den Rahmen einer solchen Chronik sprengen.
Einige wichtige Ereignisse der vergangenen 25 Jahre sollen dennoch hier Erwähnung finden. Am 12. Dezember 1975 durfte der „Liederkranz“ die Einweihung der neuen Mehrzweckhalle als Festhalle mitgestalten und hat seither, wie alle örtlichen Vereine, ein großzügiges Rauman-
gebot für seine größeren Veranstaltungen zur Verfügung.
Das Jahr 1988 bringt dem Verein einen wichtigen Einschnitt: Nach
26 Jahren Vereinsführung übergibt Gerhard Fleck, seit 1962 (24jährig!) erster Vorsitzender des Vereins, sein Amt an seinen gewählten Nachfolger, Hermann Epp, und sein Stellvertreter Walter Huber das seinige an Werner Bräunling, zwei Jahre später an Harald Junker (seit 1990).
Mit Gerhard Fleck hatte der „Liederkranz“ eine Sängerpersönlichkeit als Vorsitzenden, der in seiner vielseitigen Vorbildlichkeit und auch Bestimmtheit und als sehr guter Redner den Chor mitprägte und selbst weit über Reihen hinaus bekannt und geschätzt wurde und auch noch wird. Er stellt die junge Führungsgeneration nach dem Kriege dar, die dennoch tief in der Männerchortradition gründete, aber das Neue klar erkannte und bewußt umsetzte. Er steht dem Verein nach wie vor als sicherer zweiter Bass zur Verfügung und ist gleichzeitig ein äußerst umsichtiger Schriftführer. So laufen auch viele Fäden der Organisation zum diesjährigen Jubiläumsfest in seiner Hand zusammen. Mit
Hermann Epp, einem Vertreter der jungen Nachkriegsgeneration, hat der Verein wohl auch eine glückliche Entscheidung getroffen und kann mit seiner Vorstandschaft, auch mit Harald Junker als Vize, sehr zufrieden und dankbar sein.
Ein weniger angenehmes Ereignis, eher ein Schock, war der Brand in unserem Proberaum, im „Löwensaal“, am 8. Dezember 1990. Durch eine Verpuffung im Ölofen wurden bei dem Zimmerbrand damals wertvolle Besitz-
tümer des Chores zerstört (Flügel, Vereinsfahnen, Pokale und Notenschränke) und der Schaden von etwa 40.000,- DM konnte nur durch großzügige Spenden der Einwohner, Reihener Geschäftsleute und der ortsansässigen Banken (Sparkasse und Raiffeisen-
bank) behoben werden.

Eine neue Vereinsfahne konnte im Rahmen eines Festes 1991 geweiht werden. Die Brandkatastrophe hatte natürlich auch ihre positive Seite (nichts ist so schlecht, daß es nicht auch was gutes hätte), denn heute haben wir nach großzügigem und geschmackvollem Umbau einen wunderschönen neuen „Löwensaal“ als Proberaum.
Eine weitere wichtige personelle Veränderung sollte sich in den vergangenen Jahren noch ergeben: ein Dirigentenwechsel. Herbert Keitel, ebenso „Autodidakt“ wie sein Vater Otto Keitel, dessen Nachfolge er ab 1969 übernommen hatte, und ebenso erfolgreicher Dirigent (und Schreinermeister), hatte bereits seit 1995 dem Chor seine Rücktritts-
absichten mitgeteilt und angedeutet,  man möchte sich offiziell um
einen Nachfolger bemühen. Für ihn jedoch einen Nachfolger zu finden, ist wahrhaftig eine schwere Hausaufgabe, denn er hatte immer hohe Maßstäbe gesetzt, an denen jeder Nachfolger gemessen werden würde.
Mit Herrn Reinhold Bier, Musikdirektor FDB, war der Chor auf seiner Suche erfolgreich und der neue Dirigent, ab 1996, hat mit den bisherigen Erfolgen und einer guten Arbeit und Zusammenarbeit mit dem Chor bewiesen, daß auch hier der Chor, bzw. die Verantwortlichen darin, eine glückliche Hand hatten. Herbert Keitel, der sich als Hauptdirigent unseres Chores mit einem sehr schönen Abschiedskonzert am 7. April 1996 nochmals als großer Könner darstellen konnte, auch vor großem auswärtigem Publikum, bleibt dem Chor dennoch weiterhin
erhalten als guter Sänger im zweiten Tenor und als vielbeschäftigter „Vizedirigent“ bei vielerlei Anlässen. Wir sind darüber sehr glücklich; man könnte sagen, daß damit eine siebzigjährige „Keiteltradition“
(Vater und Sohn - wo gibt es sowas noch?) weiterhin andauert.
Unter solchen Bedingungen kann unser Chor - immer noch ein reiner Männerchor mit rund 50 Sängern - beruhigt sein Jahrhundertfest feiern und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Wird fortgesetzt!